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Die Geschichtswerkstatt ist eine Bewegung, die in den 1980er Jahren entstanden ist. Dabei steht das Ziel im Mittelpunkt,
Geschichte nicht als Historie der Herrschenden zu begreifen, sondern die Vergangenheit aus der Sicht der gewöhnlichen
Bürger zu verstehen und ihre politische Dimension zu begreifen.
Der Geschichtsprofessor Dr. Hans Müller prägte das Gesicht der Dortmunder Geschichtswerkstatt von Anfang an sehr wesentlich.
Über viele Dinge wusste er fast aus dem Stehgreif etwas zu berichten. Dies waren insbesondere die Themen, die zeitlich in
sein Leben fielen. Das fing an mit der Zeit des Dritten Reiches und des zweiten Weltkriegs und setzte sich fort über die
Adenauer-Ära und über die Studentenproteste der 68er bis zu den aktuellen politischen Bewegungen.
Insbesondere über seine eigene Rolle in der Zeit des Dritten Reiches hat er sich immer wieder Gedanken gemacht. Er war
Jahrgang 1928, befand sich also im letzten Kriegsjahr gerade in jugendlichem Alter. Offen hat er darüber berichtet, daß
er noch in den letzten Kriegstagen bereit war, für den Führer Adolf Hitler zu sterben. Er war damals im Rahmen des
Volkssturm in Schwerte eingesetzt, um dort gegen die einmarschierenden Allieerten zu kämpfen. Daß er den Krieg überlebt
hat, verdankt er seinem Vorgesetzten, der die Situation besser eingeschätzt hatte und seinen Soldaten das
Desertieren befahl. Außerdem hatte er Glück, daß er beim Heimweg nicht von den Feldjägern der Wehrmacht aufgegriffen
wurde.
Diese Geschehnisse offen zu erzählen, war Professor Müller ein wichtiges Anliegen. Denn es kam ihm darauf an, die
eigenen Vergangenheit nicht schönzufärben oder zu verdrängen, sondern zu ihr zu stehen und aus ihr zu lernen. Für die
kritische Auseinandersetzung des jugendlichen Müller mit dem Nazi-Regime sorgte wohl vor allem seine spätere Frau Katja.
Sie war in der Gartenstadt aufgewachsen und dort sehr liberal erzogen worden. Insbesondere ihr Vater hatte sich
offen gegen das Nazi-Regime gestellt.
So hat Herrn Professor Müller dann auch die Geschichtsschreibung der Nachkriegszeit sehr kritisch beleuchtet. Daß man
eine Widerstandsbewegung wie die rote Kapelle in die kommunistische Ecke stellen wollte und die Edelweißpiraten als
kriminelle Jugendliche abstempeln wollte, war ihm ein Dorn im Auge. Er verfaßte zu diesem Themen nicht nur Vorträge,
sondern schrieb auch Bücher und Unterrichtsmaterialien. Sein Buch "Katholische Kirche und Nationalsozialismus" (herausgegeben
1963 in der Nymphenburger Verlagshandlung) gilt als Standardwerk über die Rolle der Kirche im Dritten Reich.
Auch die Rolle von Schule und Erziehung war ein Thema, was Professor Müller sehr am Herzen lag. Schließlich war er nach
dem Krieg zunächst Volksschullehrer und hatte damit aus erster Hand einen Einblick in das Schulsystem der Ära Adenauer
erhalten.
Die berufliche Laufbahn von Professor Müller zeichnet sich wie folgt ab:
- 1948-1950: Pädagogische Akademie Dortmund
- 1950-1964: Volksschullehrer in Gelsenkirchen und Dortmund
- 1962-1967: Studium der Geschichte, Soziologie und Pädagogik an der Universität Münster
- 1964-1968: Förderungsassistent an der Pädagogischen Hochschule in Münster
- 1968-1975: Assistent und Dozent an der Pädagogischen Hochschule in Dortmund
- 1975-1993: Professor im Historischen Institut der Universität Dortmund
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