Bei der Diskussion um verschiedene Möglichkeiten, Zahlen darzustellen, betrachtet man heutzutage
meist Stellensysteme: Dabei ist eine bestimmte Zahl von Ziffern (mindestens zwei) vorgegeben, deren
Werte den ganzen Zahlen von Null bis zur Anzahl der Ziffern minus Eins entsprechen.
Durch Positionierung der Ziffern in einem Schema, das mit Hilfe eines Kommas verankert wird, lassen
sich beliebig große und beliebig kleine positive rationale Zahlen darstellen. Heiße die Anzahl der Ziffern eines
Stellensystems n, so haben die Ziffern vor dem Komma die Wertigkeit 1, n, n², n³ usw., die
Ziffern nach dem Komma die Wertigkeit 1/n, 1/n² usw. Durch Multiplikation der Werte der
einzelnen Ziffern mit der Wertigkeit der jeweiligen Stelle und Addition der so gewonnenen Resultate
ergibt sich der Wert der dargestellten Zahl.
Zur Vereinfachung der Darstellung ist außerdem üblich, führende Ziffern mit Wert Null wegzulassen sowie
nach dem Komma wiederkehrende Ziffernfolgen durch einen waagerechten Strich als Periode zu kennzeichnen.
Außerdem wird bei ganzen Zahlen das Komma nicht explizit hingeschrieben. Das Komma sitzt dann unsichtbar am
Ende der Zahlendarstellung. Um eine umkehrbar-eindeutige Zuordnung (bijektive Abbildung) zwischen den rationalen
Zahlen und ihrer Darstellung in einem Stellensystem zu erreichen, wird außerdem vereinbart, daß die Periode
der höchsten Ziffer des jeweiligen Systems nicht vorkommen soll. Zur Ergänzung sei noch gesagt, daß auch
irrationale Zahlen eine Darstellung in jedem Stellensystem haben, diese sich jedoch nicht als Ziffernfolge
hinschreiben läßt, da sie im Gegensatz zu der Darstellung rationaler Zahlen weder abbricht noch in eine
Periode mündet.
Bekanntestes Beispiel für ein Stellensystem ist sicherlich das Dezimalsystem mit den zehn Ziffern 0
bis 9. Mit dieser Art der Zahlendarstellung arbeiten wir tagtäglich. Sehr bekannt ist auch das Binärsystem,
das mit Verwendung von nur zwei Ziffern das minimal mögliche Stellensystem ist, also quasi eine Art
natürliche Wurzel der Stellensysteme. Aufgrund seiner extremen Einfachheit ist es ideal für die Verwendung
in elektronischen Rechen- und Kommunikationsmaschinen (Komputern) geeignet.
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird die Darstellung einer Zahl im Dezimalsystem als identisch mit der Zahl
aufgefaßt. Wir sagen also z.B. nicht "Die Zahl, deren Dezimaldarstellung 13 lautet", sondern "Die Zahl 13".
Dabei sollte aber nicht vergessen werden, daß Zahlen in Wirklichkeit keine Ziffernfolgen sind, sondern
abstrakte Elemente von Mengen, die über eine Sammlung mathematischer Axiome definiert werden. Konkret benannt
sind darin nur die Zahlen Null und Eins, nämlich die Null als neutrales Element der Addition und die Eins als
neutrales Element der Multiplikation. Dies bedeutet: Ziffernfolgen sind nicht die Zahlen selbst, sondern lediglich
eine Darstellung von Zahlen, die man vereinbart, weil man sonst keine praktikable Möglichkeit hat, Zahlen
explizit zu benennen.
Die Darstellung rationaler Zahlen durch das Dezimalsystem hat sich zwar über Jahrhunderte eingebürgert,
ist aber aus der mathematischen Natur der Zahlen durch nichts zu begründen. Es ist auch nicht etwa das
praktikabelste System. So wäre es bei vielen Angelegenheiten sicherlich praktischer, wenn wir Zahlen
in einem System mit zwölf Ziffern darstellen würden. So wären z.B. elementare Teilbarkeitsregeln (Regeln,
anhand derer man alleine aufgrund der Zifferndarstellung einer Zahl schnell ermitteln kann, ob diese
durch bestimmte, typischerweise kleine, Zahlen teilbar ist) im Zwölfersystem einfacher als im Dezimalsystem.
Umrechnungen zwischen Zahlendarstellungen in verschiedenen Stellensystemen sind auf der Internetseite
http://zahlen.hoerde.net verfügbar.
Doch solche Stellensysteme sind nicht die einzige Möglichkeit, Zahlen darzustellen. Die Römer
benutzten zur Darstellung von Zahlen (beschränkt auf ganze und positive Zahlen) ein Additionssystem, bei dem
die Ziffern unabhängig von ihrer Position einen festen Wert haben, der zueinander addiert wird.
Dazu definierten Sie folgende Ziffern:
I = Eins
X = Zehn
C = Hundert
M = Tausend
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Zur Vereinfachung wurden noch die folgenden Zwischenstufen eingeführt:
V = IIIII (Fünf)
L = XXXXX (Fünfzig)
D = CCCCC (Fünfhundert)
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So stellt also z.B. VII die Zahl Sieben dar. Eine Darstellung für die Null ist in den römischen Ziffern
nicht enthalten. Sie decken also nur den positiven ganzzahligen Zahlenraum ohne die Null ab. Für besonders
große Zahlen wird die römische Zahlendarstellung aufgrund fehlender Ziffern für große Werte unpraktisch.
Die römische Schreibweise war noch weit bis in das Mittelalter hinein gebräuchlich. Dabei bürgerte sich
auch ein, die Darstellung dadurch zu vereinfachen, daß Ziffern nicht nur addiert, sondern auch voneinander
subtrahiert werden können: Für die reine Addition der Ziffern werden diese in absteigendem Wert von links
nach rechts geschrieben. Steht dagegen eine Ziffer von niedrigerem Wert links von einer Ziffer höheren
Wertes, so wird sie subtrahiert. So kann also für die Zahl Neun statt VIIII auch IX und für die Zahl 45
statt XXXXV auch VL geschrieben werden. Für die Zahl 999 wird aus der langen Darstellung DCCCCLXXXXVIIII die
Kurzform IM.
Um das Lesen der Zahlen nicht zu kompliziert werden zu lassen, darf von einer Ziffer stets nur eine andere
Ziffer, nicht aber mehrere abgezogen werden. Die Darstellung IIL für 48 ist also nicht zulässig. Die Darstellung
IXC wäre sogar mehrdeutig. Damit könnte gemeint sein, daß die Eins erst von der Zehn abgezogen wird und das
Ergebnis (Neun) von der Hundert, also die Zahl 91 dargestellt ist. Es könnte aber damit auch gemeint sein,
daß von der Hundert die Zehn abgezogen wird und davon die Eins, also die Zahl 89 dargestellt ist. Mit der
Beschränkung der Subtraktion auf nur eine subtrahierte Ziffer pro addierter Ziffer sind solche Mehrdeutigkeiten
ausgeschlossen. Die Subtraktion jeweils einer Ziffer an verschiedenen Stellen der Zahl ist dagegen zulässig.
So steht CMIX für die Zahl 909.
Anzumerken ist noch, daß es unüblich ist, die gleiche römische Ziffer in derselben Zahl mehrfach zur
Subtraktion zu verwenden. So wäre z.B. IXIX eine zulässige Schreibweise für die Zahl 18, deren Verwendung
aber nicht üblich ist. Außerdem hat sich die Konvention eingebürgert, daß Subtraktionen möglichst weit
rechts in der Zahl erfolgen. Für die Zahl 19 schreibt mal also nicht IXX, sondern XIX.
Die Additionssystem der römischen Zahlen sind das einzige allgemein bekannte System zur Zahlendarstellung,
das kein Stellensystem ist. Aber wenn man Zahlen mit Mitteln der Addition darstellen kann, warum soll man dann
nicht auch Zahlen mit Mitteln der Multiplikation darstellen können?
Während bei den römischen Zahlen die Ziffern zueinander addiert werden, müsste man sie in einem
Multiplikationssystem miteinander malnehmen. Als Ziffern für ein solches System eignen sich die Primzahlen,
denn jede Zahl ab 2 hat eine eindeutige Primfaktorendarstellung. Man benötigt also Ziffern, die jeweils einer
Primzahl entsprechen.
Nimmt man die Buchstaben des lateinischen Alphabeths als Ziffern, so hieße dies: Die Zahl 2 ist die erste
Primzahl und wird durch die Ziffer a repräsentiert. Die Zahl 3 ist die zweite Primzahl wird wird durch die Ziffer
b repräsentiert. Die Zahl 4 ist keine Primzahl, ist also keine eigene Ziffer, sondern wird multiplikativ als aa
geschrieben. Die Zahl 5 ist wieder eine Primzahl und bekommt die Ziffer c. Die Zahl Sechs ist keine Primzahl,
sondern schreibt sich ab (Multiplikation aus den Ziffern a und b).
Läßt man aus Gründen der Verwechselungsgefahr zwischen i und j den Buchstaben i aus dem Alphabeth weg,
so hat man also mit den Buchstaben a bis z einen Ziffernvorrat für die ersten 25 Primzahlen, mit dem sich
problemlos die Zahlen bis Hundert aufschreiben lassen. Lediglich die Zahlen Null und Eins haben keine
Primfaktorendarstellung. Sie haben also eine Sonderrolle und können z.B. als 0 und 1 geschrieben werden.
Die folgende Tabelle zeigt die Zahlen von Null bis Hundert zum einen in verschiedenen Stellensystemen,
nämlich in dem System aus den drei Ziffern 0,1,2, dem Dezimalsystem und dem Hexadezimalsystem, zum anderen
im Additionssystem der römischen Zahlen und schließlich in dem von mir skizzierten Multiplikationssystem:
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