|
Ein Adressenhändler wird sich aber kaum die Mühe machen, von Hand das Internet nach E-Mail-Adressen zu
durchkämmen und auf einem Blatt Papier die gefundenen Adressen notieren. Statt dessen bedient er sich
dafür Software.
Software, die Webseiten durchsucht: Crawler etc.
Software, die Webseiten durchsucht, ist prinzipiell nichts ungewöhnliches und auch etwas durchaus
erwünschtes. Suchdienste wie Google oder Altavista durchlaufen
permament mit eigener Software das World Wide Web, um die besuchten Seiten in ihrer Datenbank zu indizieren
und als Ergebnis passender Anfragen zeigen zu können. Die Software dieser Suchdienste wird auch "Crawler"
oder "Spider" genannt. Von den Seiten, die sie schon kennen, krabbeln sie zu allen verlinkten Seiten, um von
dort wiederum die Links weiterzuverfolgen. Das Web stellt sich für die Suchdienste als eine Art Spinnennetz
dar: Die Knoten sind die Webseiten und die Fäden sind die Links zwischen den Webseiten. Nüchterner bezeichnet
man die Software auch als "Suchroboter", auf englisch auch kurz "bot" (für "robot").
Die Software der Adressensammler macht prinzipiell nichts anderes. Sie durchkämmt die Webseiten anhand
ihrer Verknüpfung per Links. Im Gegensatz zu den Crawlern der Suchmaschinen interessieren den Adressensammler
aber nicht die Inhalte der Seite, sondern nur die darauf enthaltenen E-Mail-Adressen. Deshalb bezeichnet man
solche Software auch als Erntemaschine: Das Programm soll durch das Internet laufen und dabei alle
E-Mail-Adressen, die es zu packen kriegt, ernten. Deshalb bezeichnet man diese Software auch
als Harvester (von englisch "harvest", zu deutsch "ernten").
Und noch einen anderen wesentlichen weiteren Unterschied zu den Crawlern der Suchmaschinen gibt es: Während
ein Besuch beispielsweise durch den Google-Bot beim Webmaster durchaus erwünscht ist, ist ein Besuch durch
einen Harvester das natürlich nicht. Deshalb tarnt sich ein Harvester als gewöhnlicher Webbrowser.
Jeder Software die auf Webseiten zugreift, also auch jeder Browser, übermittelt eine individuelle
Kennung für diese Software (siehe hier auch: http://daten.rehbein.net). Der Google-Bot
und andere Crawler sind u.a. daran zu erkennen. Ein Webmaster, der nicht möchte, das seine Seite von diesen
besucht wird, kann sie gezielt aussperren. Ein Harvester dagegen gibt sich nicht als solcher zu erkennen,
sondern sendet die Kennung eines gängigen Browsers, also beispielsweise des Internet Explorers oder
des Netscape Navigators.
Da Harvester natürlich auf Zeit optimiert werden (sie sollen in möglicht kurzer Zeit möglichst viele
Webseiten besuchen), arbeiten sie meist nicht sehr gründlich. So speichern viele Programme einfach alles ab, was
ein "@" Zeichen enthält, unabhängig davon, ob es wirklich eine E-Mail-Adresse ist. Der Adressenhändler erhält
damit zwar einen gewissen Prozentsatz an unbrauchbaren Adresseinträgen, aber das ist für ihn nicht weiter
störend.
Von den Programmierern dieser Programme wird der Begriff "Harvester" natürlich tunlichst vermieden. Statt
dessen trägt die Software dann Namen wie "Mail-Spider" oder "Online Marketing Tool".
Die Konsequenz daraus
Was bedeutet das nun für das Internet? Zunächst einmal heißt das, daß jede E-Mail-Adresse, die irgendwo
im Internet öffentlich erreichbar steht, früher oder später in den Adressenlisten der Spam-Versender landet.
Ob Sie sich mal in ein Online-Gästebuch eingetragen haben, ein alter Schulfreund eine Adreßliste seines
Jahrgangs ins Netz stellt auf Ihrer eigenen Homepage Ihre Mail-Adresse angeben: Irgendwann wird Spam an
diese Adresse eintreffen - und dann auch nie wieder aufhören.
Eine wichtige Konsequenz daraus ist, daß man insbesondere vorsichtig sein sollte im Umgang mit fremden
Adressen. Die E-Mail-Adresse eines guten Freundes setzt man nicht einfach so auf eine Webseite, auch wenn
man es eigentlich gut meint! Vorsicht sollte man auch walten lassen bei der Verwendung von Beispieladressen,
z.B. in Diskussionen oder Erklärungen. Aus Unkenntnis werden dabei häufig gültige E-Mail-Adressen von
Unbeteiligten genannt.
Die Dummheit der Harvester, die einfach alle E-Mail-Adressen speichern, kann man sich zu Nutze machen,
um mit speziell präparierten Adressen Harvester aufzuspüren:
Eine Gegenmaßnahme, um die eigene E-Mail-Adresse nicht so schnell finden zu lassen, kann eine
Codierung der Adresse sein.
|