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"Zug der Erinnerung" in Dortmund
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Der "Zug der Erinnerung" ist ein Eisenbahnzug mit einer Ausstellung, die auf Betreiben verschiedener Initiativen
von einem zu diesem Zweck 2007 gegründeten Verein desselben Namens konzipiert wurde. In zwei Eisenbahnwagen (ein
ehemaliger Abteilwagen und ein ehemaliger Gepäck- bzw. Postwagen) wird die Deportation von Kindern und
Jugendlichen in die Vernichtungslager des Drittes Reichs durch die Deutsche Reichsbahn thematisiert.
Dem historischen Bezug angemessen wird den Zug von einer Dampflokomotive gezogen.
Im Gedenken an die Reichskristallnacht in der Nacht vom 09. auf den 10. November 1938 begann die
Fahrt der Wanderausstellung "Zug der Erinnerung" am 09. November 2007 in Frankfurt am Main (noch mit einer
anderen Wagenzusammenstellung als hier geschildert). Dort begann er eine lange Tour durch verschiedene
deutsche Städte, um ungefähr die Route der Deportationen nachzufahren, und in Erinnerung an den Tag der
Befreiung, dem 08. Mai 1945, am 08. Mai 2008 die Gedenkstätte Auschwitz zu erreichen.
Die Halte des Ausstellungszuges in verschiedenen Städten werden jeweils von örtlichen Initiativen
unterstützt. Neben den Entgelten für die Nutzung der Gleise und Bahnhofsanlagen der Deutschen Bahn AG
ist personelle Betreuung für die Ausstellung zu leisten.
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Vom 10. bis zum 13. Februar 2008 war der "Zug der Erinnerung" im Dortmunder Hauptbahnhof zu sehen, bevor
er dann Bochum und andere Städte im Ruhrgebiet besuchte.
Mit seiner Ausstellung soll der Zug die auch gegenüber Kinder und Jugendlichen begangenen Greuel deutlich
machen und den deportierten Kindern Namen geben. Da die Deportierten bei der Ankunft im Konzentrationslager
in der Regel direkt selektiert wurden, und dabei die meisten Kinder und Jugendlichen zusammen mit anderen
als nicht arbeitsfähig erachteten Personen unmittelbar ermordert wurden, ohne eine Insassennummer erhalten
zu haben, ist die Ankunft im Lager bei den meisten Kindern und Jugendlichen nicht dokumentiert. Mit der
Deportation verliert sich ihre Spur.
Insgesamt 12089 Kinder und Jugendliche, die durch die Deutsche Reichsbahn in Hitler-Deutschland
deportiert wurden, konnte der Verein im Rahmen der Erstellung der Auskunft namentlich belegen. Es ist
anzunehmen, daß die tatsächliche Zahl der in den Tod geschickten Kinder und Jugendlichen wesentlich
höher liegt.
Zusätzlich geht die Ausstellung darauf ein, daß insbesondere in Hitlers Polen-Feldzug viele Zivilisten
durch Angehörigen von Wehrmacht und Schutzstaffel (SS) direkt erschossen wurden, darunter auch viele
Kinder und Jugendliche.
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Die Ausstellung zeigt Täter und Opfer, beleuchtet aber auch, in welchem gesellschaftlichen Klima die
Deportationen stattfanden. Aus heutiger Sicht erscheint es unvorstellbar, daß Menschen aus der Mitte
der Gesellschaft und mit dem überwiegenden Wissen der Bevölkerung deportiert werden konnte. Tatsächlich
lebten aber in den 1930er- und 1940er-Jahren keine grundsätzlichen anderen Menschen, es sind keine bösen
Außerirdischen von Mars angereist und später wieder verschwunden, sondern die Greueltaten und das
Wegsehen geschah von Menschen wie Du und Ich.
So sind die Geschehnisse in Nazi-Deutschland eine eindrucksvolle Mahnung, wozu der Mensch fähig ist,
wenn er sich gegenseitig zu einer feindseligen Stimmung aufschaukelt, wenn er als pflichtbewußter Staatsbürger
ohne Kritik eine politische Bewegung mitmacht. So könnten die eigentlich unglaublich erscheinenden
Dimensionen der Menschenverachtung der Gesellschaft der deutschen 1930er- und 1940er-Jahre durchaus
jederzeit wieder passieren.
Für die Stadt Dortmund hat der Verein die Namen von 102 Kindern und Jugendlichen herausgefunden, die
durch die Züge der Reichsbahn deportiert worden sind.
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Für den Aufenthalt in Dortmund wurde die Ausstellung durch Dortmunder Tafeln ergänzt, die
von den Schülern Dortmunder Schulen gestaltet worden waren.
Insgesamt rund 7000 Personen besuchten die Ausstellung während der vier Tage in Dortmund,
darunter etwa 80 Schulklassen und Jugendgruppen, organisiert in Zusammenarbeit mit dem
Dortmunder Jugendring.
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